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Titel: Dokumenta11 - Der Rundgang
Auhor: Thomas Wulffen
Quelle: Kunstforum International, Bd.161, August-Oktober 2002

 

 

Kunstforum International, Bd.161, August-Oktober 2002

 

Dokumenta 11 - Der Rundgang
Thomas Wulffen


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Fareed Armaly (geboren 1957 in Iowa, USA, lebt in Stuttgart).
Im Jahre 1991 schreibt Helmut Draxler im 'Artforum' zu einer Ausstellung von Fareed Armaly: "Ein Leitmotiv der Ausstellung von Armaly ist daher der Übergang von einem Zustand zum anderen - vom Imaginären zur Wirklichkeit - der einen politischen Zugang zur Kultur ermöglicht... Armaly hat einen Weg gefunden, hochkomplexe Strukturen zur Diskussion zu stellen. Texte, Filmausschnitte und das räumliche Arrangement, das der Besucher nur erkennt, wenn er sich bewegt, machen die ungleichartigen Mittel vergleichbar." Elf Jahre später gilt diese Aussage immer noch, aber der politische Hintergrund, der angesprochen wird, ist sehr viel virulenter.

Als Amerikaner libanesisch-palästinensischer Abstammung thematisiert Fareed Armaly in seinem Beitrag für die Documenta die Geschichte Palästinas vom Beginn bis zur Gegenwart. Dafür hat er für die Documenta-Halle eine Raumgliederung entworfen, die ausgeht von der Digitalisierung der Oberfläche eines Steins. Der ist für den Künstler sowohl Sinnbild für die Welt als für Architektur, darüber hinaus ist er auch Waffe. Der Titel des Beitrags 'From/To' findet sich wieder auf dem Gitternetz und er bezeichnet gleichzeitig auch die Annäherungsweise an das Dargestellte. Eine erste Version wurde 1999 erstellt, unter den Bedingungen eines möglichen Friedens. Die aktuelle Version muss den Abbruch von Verhandlungen und sogar Krieg in die Beobachtung einschließen. Das wird deutlich an einem Detail. 'From/To' ist nicht das Werk eines einzelnen, sondern entstand in Zusammenarbeit mit mehreren Personen, unter ihnen vor allem Rashid Masharawi, ein palästinensischer Filmmacher. Er ist die Kontaktperson für den Künstler zwischen dem medial vermittelten Palästina und dem realen, weil Rashid Masharawi vor Ort geboren ist und dort lebt. In dem einstündigen Film 'Checkpoint' kann der Betrachter im Detail verfolgen, wie Israel den Kontrollpunkt abriegelt. Der Schritt vom Imaginären zur Wirklichkeit ist vollzogen.