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http://www.hr-online.de/documenta/tagebuch/0704.shtml (Archiv / Juli 2002)
documenta Tagebuch Beitrag vom 4. Juli
Ein Netz von weißen Linien spannt sich über den kahlen Betonboden
der Documentahalle. Ich lese : From Jaffa to Gaza, From Amman to Al
Hussein -Camp. Orte in Palästina. Plötzlich bekommen die abstrakten Orte eine neue Bedeutung: Sie werden zu biographischen Daten, Zeichen einer persönlichen Geschichte. In der Reihe Geschichte/Geschichten stellen wir heute das Projekt From /To von Fareed Armaly und Rashid Masharawi vor: Eine Untersuchung über Palästinas Identität. Eine Sitzinsel mitten in dem verzweigten Liniennetz läd zum "Warten"
ein. Ich nehme Platz. Ein Film-Casting: Der Regisseur erklärt geduldig
den palästinensischen Schauspielern, worum es ihm geht. Sie sollen
einfach nur warten, eben so tun als ob sie warten. Angespanntes Warten
zeigt ein Film im Nebenraum: Palästinensische Männer und Frauen
an einem Grenzübergang. Das Hupen der Autofahrer, ein Signal der
Ungeduld, wiederholt sich endlos. Eine junge Frau zögert sich dem
Checkpoint zu nähern. Ein junger Mann der plötzlich los rennt.
Momente des Alltags im Blick des palästinensischen Filmemachers Rashid Masharavi. Der 1962 selbst einem Flüchtlingslager geboren wurde und sich bewusst dafür entschied Palästina nicht zuverlassen. In den anderen Räumen verfeinern und vervielfältigen sich die Blickwinkel auf die palästinensische Identität und Geschichte: Postkarten aus den 50er Jahren zeigen Kriegsidyllen, geografische Karten zeigen Grenzverschiebungen. Filmton aus "Homemovie": "Dass sich der Krieg im Wohnzimmer fortsetzt, zeigt beinahe komisch der Film Homemovie. Eine Mann und eine Frau streiten auf einem Sofa. Sie hält immer wieder den Filmprojektor an, der Szenen der Belagerung abspult und auf die Wohnzimmerwand projeziert." From/To ist eine Zusammenarbeit von Fareed Armaly und Rashid Masharawi. Armaly ist Amerikaner palästinensisch-libanesischer Herkunft. Innenansichten und Außenansichten. Fareed Armaly hat ein Netz von Informationen in den Documenta-Räumen ausgebreitet. Bruchstückweise zeigen sich ungewohnte Perspektiven auf die Geschichte und das Selbstverständnis Palästinas und erschüttern leise den gewohnten Blick: Besucherstimmen: "Das ist ja auch definitiv nicht als Kunst ausgewiesen, () vielleicht ist es auch nicht wichtig dies als Kunst zu bezeichen, es ist einfach wichtig, wie mit einem solchen Konflikt auf der symbolischen Ebene umgegangen wird." "Ich muss dazusagen, ich habe die letzten Tage sehr heftig diskutiert mit einem syrischen Dichter über das Problem Palästina. Und wir haben festgestellt, dass die Medien bei uns die Sache sehr falsch darstellen. Und ich finde es gut, dass hier ein Bild gezeigt wird, das der Wirklichkeit näher kommt. (Manuskript zum hr2-Beitrag/Audio) |